Michael Wimmer
  • Zur Person
  • Kulturpolitische Praxis
  • Blog
  • Tätigkeiten
  • Publikationen
  • Kontakt
  • EN
  • Suche
  • Menu

Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

19/01/2026

Über die Eindeutigkeit von Politik – Und der Vieldeutigkeit von Kunst

Zuletzt hat Stefan Grissemann im profil nochmals über das breeindruckende politische Engagement einer Reihe von iranischen Künstlerinnen hingewiesen ( https://www.profil.at/…/kunst-diktatur-kultur…/403121969 ). Er wollte damit den Beweis der politischen Wirksamkeit künstlerischen Tuns antreten – Damit aber nimmt er möglicherweise in bester Absicht der Kunst genau das, was nur sie vermag.

Künstlerinnen wie Taraneh Alidosti, Mohammed Rasoulof oder Toomaj Salehi, der seinen Widerstand gegen das Regime mit dem Leben bezahlt hat, zeigen, welche Kraft der Gegenwehr in der iranischen Zivilgesellschaft liegt. Mit der ihnen zukommenden unbedingten Einsatzbereitschaft gepaart mit Prominenz stellen sie ein Vorbild für all diejenigen dar, die sich im Kampf um die Errungenschaften liberaler Demokratien wissen.

Es wäre aber ein großes Missverständnis, die Kunst, die sie repräsentieren, als eine politische Waffe zu instrumentalisieren, die das Gegenteil des Intendierten bewirkt.

Das, was uns gerade über den Iran vermittelt wird, ist ein politischer Kampf, der im letzten nur mit politischen Mitteln ausgefochten werden kann. Daran beteiligten sich naturgemäß auch und gerade politisch bewusste, freiheitsliebende Künstlerinnen – als Bürgerinnen ihres Staates und nicht auf Grund ihres Status als Künstlerinnen.

Nun erzählen kritische Kunsttheorien davon, “dass nichts, was die Kunst betrifft, mehr selbstverständlich ist” (Adorno). Im Umkehrschluss, dass Kunst alles repräsentieren kann.
Nur eines nicht: Denselben Wahrheitsanspruch, den ein autoritäres Regime mit Gewalt durchzusetzen versucht, nur halt mit engegen gesetzter Ausrichtung. Weil Politik notwendig auf Eindeutigkeit, auf Durchsetzung ihrer Wahrheit ausgerichtet ist. Kunst hingegen auf Vieldeutigkeit, auf das Schaffen von Möglichkeitsräumen, die von den Rezipienten mit ganz unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden können.

Der eigentliche Anspruch von politisches Herrschaft richtet sich auf die Durchsetzung ihrer (alles andere ausschließenden Sicht) auf die Welt. Kunst hingegen hält die Erinnerung wach, dass diese gewaltsam durchgesetzte Weltwahrnehmung nur eine ist, die alle anderen auszuschließen versucht. Um ihrerseits die Welt offen zu halten für die ganze Vielfalt dessen, was gerade nicht ist. Mit Wahrheit hat sie dabei nichts (mehr) im Sinn.

https://www.profil.at/kultur/kunst-diktatur-kultur-aktivismus-iran-usa-china-ddr-russland/403121969

  • Share on Facebook
  • Share on Twitter
  • Share on Google+
  • Per E-Mail teilen

Archiv

  • 2026
  • 2025
  • 2024
  • 2023
  • 2022
  • 2021
  • 2020
  • 2019
  • 2018
  • 2017
  • 2016
  • 2015
  • 2014
  • 2013
  • 2012
  • 2011
© Michael Wimmer | Impressum, Datenschutz
  • Facebook
  • Twitter
  • Mail
Nach oben scrollen