Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

18/02/2026

Ausziehen oder Draussen Bleiben – von wegen Noble Begierden

Sehr positiv besprochen wurde zuletzt die Sonderausstellung im Palais Liechtenstein “Noble Begierden – Die Geschichte des europäischen Kunstmarkts” ( https://www.derstandard.at/story/3000000307225/neue-ausstellung-belegt-kunst-braucht-kommerz ).

Gern hätte ich mir die Ausstellung angesehen. Leider bin ich an den Zugangsbestimmungen gescheitert. Bekleidet mit einer Lederjacke wurde mir der Zutritt verwehrt. Ich müsse diese laut Hausordnung an der Garderobe abgeben und meine Wertsachen in einem Schließfach verwahren.

Warum bin ich nicht einfach den Anweisungen gefolgt, hätte die Jacke ausgezogen und mich im Pullover durch die Ausstellung bewegt. Konnte ich in der Situation nicht. Mir ist offenbar mein Sturkopf durchgegangen. Mir war plötzlich, als würde mir eine Unterwerfungsgeste abverlangt und der Wunsch nach Kunstbetrachtung zu einer Verletzung meiner Integrität.

Der Wunsch von Ausstellungsorganisatorinnen, für ihren Sammler zu gewährleisten, dass seine Kunst nicht beeinträchtigt wird, ist nur allzu leicht nachzuvollziehen. Dass aber Ausstellung nicht von den Besucherinnen her gedacht wird sondern von der Kunst, wie mir dann auch noch der Besucherinnen-Service mit Hinweis auf die geltende Hausordnung berstätigte, halte ich für eine anhaltende Schwäche des Betriebs.

Wenn ich bei Freunden eingeladen bin, habe ich zumeist die Wahl: ich kann meine Schuhe gut abputzen und sie anlassen, ich kann sie ausziehen und den Abend in Socken verbringen, oder mir werden Hauspatschen angeboten. Jedenfalls finden Gast und Gastgeberin eine einvernehmliche Lösung.

Das Palais Liechtenstein fordert zuallererst Unterwerfung, jedenfalls Einfügung in seine Bedingungen, um der Kunst teilhaftig zu werden.

Das ist nicht nobel. Das ist allenfalls ignorant.

Bei der Aufseherin entschuldige ich mich im Nachhinein für meine am Anfang bittenden und am Ende rüden Worte.

Auch wenn ich die Ausstellung damit aus psychohygienischen Gründen nicht erfahren konnte. Zum Thema empfehle ich Michael Baxandalls “Die Wirklichkeit der Bilder”, in dem er sich im Detail des Kunstmarkts, mehr noch mit dem Verhältnis auf Augenhöhe zwischen Auftraggeber und Künstler beschäftigt ( https://buchundsofa.de/die-wirklichkeit-der-bilder)

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