Wimmer’s Kommentar
Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.
Chancenbonus: Kulturelle Bildung jetzt, wann dann
Nichts könnte symptomatischer für den Zustand der österreichischen Bildungspolitik sein, als dass ausgerechnet ein führender Vertreter einer aus der ÖVP hervorgewgangenen wirtschaftsliberalen Partei sich gegen eine Schule zur Erzeugung und Vertiefung sozialer Ungleichheit ausspricht und dagegen gerichtete Maßnahmen vorschlägt.
Wo sind die Zeiten, in denen es der SPÖ gelang, einen “Bildungsboom” auszulösen und damit vielen Menschen aus bescheidenen Verhältnissen den Aufstieg in die Mitte der Gesellschaft ermöglicht hat. Von wo sich heute “brüllendes Schweigen” vernehmen lässt.
Christoph Wiederkehr von den Neos ist es gelungen, einen Chancenbonus für benachteiligte Schulstandorte in der Höhe von insgesamt 65 Millionen Euro auszuverhandeln. Und zudem zu erwirken, dass diese entlang ihren Schwerpunkten die dafür gewidmeten Mittel weitgehend selbstständig verwenden können ( https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/chancenbonus.html ).
Als ehemaliger Leiter des Österreichischer Kultur-Service sehe ich darin eine herausragende Chance, den Aspekt der kulturellen Bildung nicht nur als soziale Integrationsmaßnahme vorzuschlagen.
Und damit das wiederaufzunehmen, was in den 1970er und 1980er ein wesentlich dynamisierendes Element von Schulentwicklung war: Schulen, die sich als Kulturzentren verstehen, Künstlerinnen an Schulen, Schulen, die mit Kultureinrichtungen kooperieren. Und damit den Schülerinnen Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, die über die engen Grenzen der Schulcurricula hinausweisen (deren Beharrungsvermögen über alle gesellschaftlichen
Entwirklungen hinweg ja in erster Linie dafür verantwortlich sind, dass den Schulen soziale Selektion eingeschrieben ist).
Theorie haben wir einst national ebenso wie international genügend produziert. Jetzt geht grad ein Türl für kulturelle Praxis auf. Die gilt es zu nutzen:
z.B. Barbara Putz-Plecko: https://www.dieangewandte.at/jart/prj3/angewandte-2016/data/uploads/Universitaet/Berichte%20und%20Leistungsvereinbahrungen/DreportBparis0829.pdf
oder Ken Robinson: https://www.bpb.de/mediathek/video/158066/ken-robinson-bildung-voellig-neu-denken/
