Wimmer’s Kommentar
Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.
Der Jedermann in Salzburg: Warum die Kulturpolitik der Rechten so anschlussfähig ist an den Kulturbetrieb
Mit dem üblichen Tam-tam fand gestern die diesjährige Premiere des “Jedermann” statt.
Ich könnte es dabei belassen, dass hier ein grottenschlechtes und antiquiertes Stück entlang des Hypes um ein paar Akteure ungebrochen als Cash-Cow der Salzburger Festspiele herhalten muss.
Hätte ich mich nicht nicht zuletzt in die Lektüre von Kerschbaumer/Müller “Begnadet für das Schöne” vertieft. Die beiden Autoren widmeten sich darin bereits vor 20 Jahren der Kulturpolitik nach 1945 mit besonderem Blick auf Salzburg.
Und decourvrierten noch einmal auf erschreckende Weise die katholisch-konservativ-nazistische Grundierung der Salzburger Festspiele. Das, was da die Proponenten einer vorgeblichen “Stunde Null” an Geschichtsverweigerung, Auserwähltheit, Antisemitismus und auch Kunstfeindlichkeit zum Ausdruck kommt, ist bis heute haarsträubend.
Und so ist mir, als wäre “Jedermann” weit mehr als ein schlechtes Stück mit großem Aufmerksamkeitswert. Es repräsentiert vielmehr das, was die Festspiele bei allen Versuchen der Transformation von Mortier bis Hinterhäuser bis heute transportieren: Ein Weltbild, das den aktuellen engstirnigen rechten Tendenzen näher ist als der Firniss an “eltststädtischem für ein paar Auserwählte suggeriert.
