Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

17/06/2026

Einscbränkungen und Perspektivlosigkeit – Der Kulturbetrieb als Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse

Weil ich grad am geschlossenen Kulturforum vorbeigehe, und ja, auch die Kammeroper wird geschlossen. Dazu denken viele Vertreterinnen der Freien Szene gerade ans Aufgaben, sie können sich angesichts der Streichung der Zuverdienstgrenzen gepaart mit Budgetkürzungen vor allem in diesem Sektor die Mitwirkung am Kulturbetrieb einfach nicht mehr leisten.

Ja, auch die “Kultur” muss einen Beitrag zum aktuellen Einsparungskurs der Bundesregierung leisten. Dieser sei ja mit etwas über 3% glimpflicher ausgefallen als erwartet (und die großen Tanker kommen sogar weitgehend ungeschoren davon ( https://on.orf.at/video/14326800/16103396/kulturbranche-kritisiert-budgetkuerzungen ). Auch wenn sich spätestens mit 2029 die nächsten dunklen Wolken auftun ( https://www.musicaustria.at/oemr-stellungnahme-zum-doppelbudget-2027-und-2028-des-bmf/ ).

Bleibt die Erkenntnis: Der Staat als kultur-politischer Akteur zieht sich sukzessive aus seinem Engagement zugunsten des kulturellen Lebens seiner Bürgerinnen zurück. Spät aber doch zieht er die neoliberalen Lehren aus den Rufen einer ökonomischen Interessen geschuldeten Hegemonie und überlässt den Kulturbetrieb einem, die Verhältnisse verungleichenden Marktgeschehen.

Dem, auch das gehört zum Befunden, haben die Repräsentantinnen des staatsnahen Kulturbetriebs zur Zeit nichts entgegen zu setzen: Ihre Einsprüche beschränken sich – nach all den Jahren der Entpolitiserung – auf die Forderung, ihre Bestandsinteressen zu wahren. Und doch sang- und klanglos zu akzeptieren, immer weiter an den gesellschaftlichen Rand geträngt zu werden.

In der Stunde der budgetären Wahrheit sind alle rhetorischen Blasen, was “Kunst und Kultur” denn alles für das individuelle Fortkommen, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt oder gar für die Entwicklung erstrebenswerter Perspektiven zu leisten vermag, rasch zerplatzt.

Was bleibt ist eine Reihe nackter Könige, vom amtierenden Kulturminister angefangen, die kulturpolitisch nichts zu sagen haben, ausser: Sparen müssen wir alle – Die Reichen halt etwas weniger als die Armen.

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