Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

02/06/2026

Hätte Rau doch mit Thiel diskutiert oder Wie schaffe ich es, mitten in einer Phase staatlicher Kürzungen im Kunstbereich einen kulturpolitischen Supergau zu inszenieren?

Jetzt hat also der Intendant der Wiener Festwochen Milo Rau die Diskussion mit Peter Thiel doch abgesagt. In einem Interview mit dem Standard erklärt er heute die Beweggründe, die nach ihm vor allem darin liegen, Schaden von der Institution abzuwenden ( https://www.derstandard.at/story/3000000322917/milo-rau-zu-thiel-absage-hielte-es-fuer-demokratiepolitisch-relevant )

Milo Rau hat es geschafft, die öffentliche Diskussion um das Pro und das Contra zum diesjährigen Höhepunkt der Festwochen zu machen. Und in der Tat hat er uns noch einmal der unhintergehbaren Frage ausgesetzt, wie wir es künftig – anhand einer herausragenden Figur eines postdemokratisch-technoidden Zeitalters – mit den Gegnern demokratischer Konfliktaustragung halten wollen.

Das ist eine genuin politische Frage, die er mit der Entscheidung, Thiel einzuladen, in das kulturelle Feld hineingetragen hat. Welche Charaktereigenschaften man Rau auch immer zuschreiben mag, ihm ist zugute zu halten, dass er sich mit der Implementierung einer rechten Hegemonie nicht abfinden mag, um uns daran zu erinnern, dass es ohne Auseinandersetzung mit ihren Wortführerinnen nicht gehen wird: Ausgrenzen, Dulden, den Fehdehandschuh aufnehmen und parieren, selbst entlang demokratischer Alternativen die Initiative ergreifen, wie auch immer, wir sind gefordert, in jeweils unterschiedlichen Kontexten Formen der Auseinandersetzung zu entwicken und uns aktiv einzubringen, die die Lebendigkeit und Wirksamkeit demokratischer Auseinandersetzung unter Beweis stellen.

Und er hat deutlich gemacht, wie es nicht geht.

Vieles spricht dafür, dass schließlich die Stimme der fördergebenden Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler Rau zum Rückzieher gebracht hat (er selbst führt den protest namhafter Künstlerinnen an). Und damit wird die Frage nach der Freiheit der Kunst unausweichlich.

Wir beklagen/befürchten mit großem Recht, das rechtsradikale Kräfte, wo immer sie an die Macht gelangen, als erstes versuchen, die Kunst an die Kandare zu nehmen.

Dass wir es jetzt mit einem Fall zu tun haben, wo ein Exponent der autoritären Rechten auf Zuruf einer demokratischen linken Kulturpolitikerin wieder ausgeladen wird, macht den ganzen Palawatsch deutlich.

Ja, vieles spricht dafür, das Milo Rau bei der Einladung Thiels ein Allmachtsgefühl geritten hat, ausgerechnet ihm würde es gelingen, diese emblematische Figur zu entzaubern (wie viele haben das bei kleineren Kalibern wie Jörg Haider versprochen und sind an ihrer eigenen Hybris gescheitert).

Jetzt hat er ihn wieder ausgeladen, um damit den Autonomieanspruch einer künstlerischen Leitung an sich selbst zu desavouieren. Und den Rechten recht zu geben, die nun allen Grund haben zu unterstellen, dass die ach so selbstverliebten Demokraten beim ersten Windhauch ihre eigenen Prinzipien verraten.

Dass angesichts dieser Aufregung kein Mensch über die erwartbaren Budgetkürzungen im Kunst- und Kulturbereich spricht, zeigt, wie sehr uns Symbolpolitik mittlerweils von den materiellen Grundlagen entfernt hat.

https://www.derstandard.at/story/3000000322917/milo-rau-zu-thiel-absage-hielte-es-fuer-demokratiepolitisch-relevant

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