Michael Wimmer
  • Zur Person
  • Kulturpolitische Praxis
  • Blog
  • Tätigkeiten
  • Publikationen
  • Kontakt
  • EN
  • Suche
  • Menu

Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

11/03/2026

Kunst, Freiheit und Verrat demokratischer Errungenschaften durch eine liberale Elite

“Die depperten Politikerinnen, die glauben, alles besser zu wissen und damit einem genialen Künstler ihrer Rasenmäger-Mentalität auszusetzen”.

Dieses Argument höre ich in diesen Tagen oft, wenn es um den Intendanten der Salzburger Festspiele geht. Als verteidigte Markus Hinterhäuser als der letzte Mohikaner einen unbedingten Freiheitsbegriff, den uns die Politik als Gesellschaft längst ausgetrieben hat. Und lebte also für uns einen Anarchismus aus, der die Forderung der Politik, sich an Regeln zu halten noch einmal examplarisch der Lächerlichkeit preisgibt.

Da wird schon einmal darüber hinweg gesehen, dass Hinterhäuser zumindest zwei Hüte trägt: den des Künstlers und den des Managers einer öffentlichen Kultureinrichtung. Und in seiner künstlerischen Tätigkeit am Klavier aber auch als Gestalter des künstlerischen Programms sich ungebrochen jede Freiheit nehmen kann. Da ist weit und breit keine Instanz, die ihm dreinreden könnte. Aber als Verantwortlicher für ein hochprofessionelles Unternehmen mit saisonbedingt bis zu 5 000 Beschäftigten und internationaler Ausstrahlung als Vorzeigebetrieb der “Kulturnation”?

Nirgends zeigt sich so deutlich die Schwäche eines demokratischen Selbstverständnisses einer liberalen Elite in der Verteidigung “ihrer” Kunst. Ungebrochen zeigen sich da die feudalen Reflexe, die sich zumindest ein Reservat wünschen, in dem haltlos Ungleichheit zelebriert werden kann. Nur zu leicht verraten auch sie den Gedanken, dass die demokratischen Errungenschaften der Gleichbehandlung auch für Künstler gelten. Einfach, weil sie für alle gelten. Umso mehr für Manager, und sei es solcher für prestigeträchtige Kultureinrichtungen.

Ja, es gilt uneingeschränkt die Freiheit der Kunst. Diese aber impliziert nicht das Recht des Künstlers/Managers, mit anderen Menschen machen zu können, was er oder sie will. Im Fall von Hinterhäuser sind andere Menschen eklatant von seinem Verhalten betrofffen. Das trifft nicht nur das Leid der Belegschaft an einem überkommenen autoritären Führungsstil. Das betrifft auch all diejenigen, die sich nach destaströsen Personalentscheidungen des Intendanten auf Einladung des Aufsichtsgremiums im guten Glauben regelkonform für eine wichtige Funktion innerhalb der Salzburger Festspiele beworben haben und sich jetzt mit der Nennung einer Favoritin am Verfahren vorbei zurecht tüpiert fühlen müssen.

Und ungewollt wird so der Fall Hinterhäuser zum Lackmustest für das demokratische Verständnis einer Kulturgesellschaft, die in Verkennung der politischen Wirkung meint, zumindest in ihren favorisierten Künstlerinnen über den Verhältnissen zu stehen.

Dass sie damit das Spiel einer erstarkenen autoritären Fraktion betreibt, kommt ihr garnicht mehr in den Sinn.

  • Share on Facebook
  • Share on Twitter
  • Share on Google+
  • Per E-Mail teilen

Archiv

  • 2026
  • 2025
  • 2024
  • 2023
  • 2022
  • 2021
  • 2020
  • 2019
  • 2018
  • 2017
  • 2016
  • 2015
  • 2014
  • 2013
  • 2012
  • 2011
© Michael Wimmer | Impressum, Datenschutz
  • Facebook
  • Twitter
  • Mail
Nach oben scrollen