Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

20/02/2026

Kunst, Kultur und Demokratie – Über das große Äpfel- und Birnen-Spiel

Im empfehlenswerten Podcast “Bühneneingang – Kultur von innen” hat zuletzt Anke Schad-Spindler in der 81sten Ausgabe ein kluges Resumé über das erste Jahr der Kulturpolitik unter Vizekanzler und Kunst- bzw. Kulturminister Andreas Babler gezogen: https://buehneneingang.simplecast.com/

Sie vermisst darin u.a. die Einlösung des Demokratie-Versprechens mithilfe von einschlägigen Maßnahmen in seiner Ressortzuständigkeit, das Babler bereits im Vorfeld lauthals gegeben hat. Und jetzt der Sparkurs, zumindest 11 Mio weniger für die Freie Szene, wenig Spielraum halt….

Und sind doch schon wieder mitten im Dilemma der herrschenden Begriffsverwirrung, die Babler die Zuständigkeit für kundundkultur zuweist. Und damit die kategoriale Differnz zwischen Kunst und Kultur verschleiert.

Weite Teile der Kulturverwaltung beziehen sich eindeutig auf Kunst. Es geht also um Kunstförderung, direkt personal und indirekt institutionell. Und eine solche hat mit Demokratie garnichts im Sinn (daran ändert auch nichts, dass Kunst in politischen Sonntagsreden immer wieder als Seismograph der Liberalität einer Gesellschaft herhalten muss) .

Einfach weil es um Kunst geht, als einer herausragenden gesellschaftlichen Errungenschaft, deren ästhetische Qualität darin liegt, sich für garnichts instrumentalisieren zu lassen, nicht wirtschaftlich, nicht sozial, nicht politisch und auch nicht kulturell. Ja klar, Kunstproduktion, -rezeption und -vermittlung finden nicht im luftleeren Raum statt und weiss sich eingebettet in all diese Kontexte. Und weisen doch darüber hinaus als eine menschliche Emanation, die ihren Sinn ins sich selbst findet und also nicht durch äußere Bedingungen begründet werden muss. Ja, Kunst mag sich mit allem möglichen beschäftigen: mit Liebe, Tod (und die gängigen Klischees zu bedienen), von mir aus auch mit Demokratie. Von ihr aber Wirkungen auf das demokratische Zusammenleben zu erwarten, halte ich für einen schweren Übergriff, der mehr über die umfassenden Vernutzungsimperative der aktuellen gesellschaftlichen Verfasstheit erzählt als dass es dem gerecht würde, wofür Kunst steht, wenn es darum geht, sich genau diesen Imperativen zu entziehen. Ganz wie im wirklichen Leben.

Ganz anders Kultur-Politik. Über sie lässt sich sinnvoll in der Tat nur im Spannungsverhältnis von Autoritarismus und Demokratie reden. Wenn Babler versprochen hat, Kultur als Medium der Demokratie zu nutzen (und damit gegen den grassierenden Autoritarismus in Stellung zu bringen), dann verweist er schlicht auf einen neuen Entwurf des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Den aber gibt es nicht, ganz einfach weil es keine Kulturpolitik gibt. Es gibt kunstpolitische Maßnahmen, die aber richten sich an ausgewählte Künstlerinnen-Fraktionen und haben also mit Demokratie nichts zu tun.

Aber ja, Anke Schad-Spindlers Vorschlag, das Land bürgernah neu aufzumischen, ist viel abzugewinnen. Wie das nicht geht, zeigt sich gerade in der Steiermark, wo ein bürgernaher Kulturentwicklungsplan von der Politik zu Grabe getragen wurde. Die Beteiligen müssen sich mehr als gefrotzelt fühlen ( https://steiermark.igkultur.at/tag/kulturentwicklungsplan )

Ja, zum Schreien…..

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