Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

13/01/2026

Oben und unten – Der Kampf um Distinktionsgewinne findet statt, in jeder Gesellschaftsform

Autorinnen sind auch nur Menschen. Manche von ihnen vermögen, beeindruckende Romane zu schreiben. Um doch immer mehr ins rechtsautoritäre Lager zu driften. Zu groß offenbar der Wunsch, die eigene Irrationalität nicht nur künstlerisch auszuleben.

Uwe Tellkamp ist so einer, der 2008 mit dem Romen “Der Turm” ( https://www.perlentaucher.de/buch/uwe-tellkamp/der-turm.html) einen exemplarischen Versuch unternommen hat,die letzten Jahre der DDR entlang des Schicksals einer bildungsbürgerlichen Familie sinnlich erfahrbar zu machen. Um ein paar Jahre später Verständnis für die Szene der “Reichsbürger” aufzubringen, die ihm zufolge von ähnlichen Motiven getrieben seien wie die Dissidenten kurz vor 1989 ( https://www.derstandard.at/story/2000141648486/umstrittener-autor-tellkamp-bezweifelt-umsturzplaene-vonreichsbuergern ).

2012 hat der Regisseur Christian Schwochow den Versuch unternommen, Tellkamps Geschichte in einen Film zu giessen
( https://www.degeto.de/film/der-turm-1/ ). Herausgekommen ist eine andere Erzählform des “Diskreten Charmes der Bourgeoisie”.. wie sie Luis Buñuel für Frankreich verfasst hat. Und wir erfahren von der wilden Mischung aus Ambition, Verlogenheit, Frustration, Flucht, aber auch Echtheit., Empfindsamkeit und Widerstand, die das Leben in einem vergleichsweise wohlbestallten Milieu der späten DDR ausgezeichnet hat.

Mit dem Analyseraster Hanno Sauers hab ich den Film nochmals mit anderen Augen gesehen: Ja, auch diese Familie strebt nach Status und handelt sich entlang von erwartbaren Distinktionsgewinnen. Zugleich legt es das Regime darauf an, diese (wie Sauer meint unausrottbaren) Ambitionen gerade in diesem Milieu zu brechen. Und entlang ihrer Schwachstellen zu korrumpieren: Der Vater bezahlt sein Doppelleben mit dem Zwang, der Stasi zuzarbeiten; der Sohn wird wegen eine Lappalie von Schule und Studium relegiert….

Zugleich leben die politischen Vertreter der Arbeiter und Bauern ihre Exklusivität in frühen Formen der Gated Communities aus, um sich so in Luxus vom Rest der Gesellschaft hermetisch abzugrenzen.

Mit dem Ergebnis, dass die Gesellschaft der DDR wohl insgesamt “gleicher” war, weil jeder Versuch, herauszustechen, offiziell sanktioniert wurde, Um zugleich die Abhängigkeit der Gleichen vor den wenigen, die es in die Parteiführung und ihren unhinterfragbaren Wahrheitsanspruch geschafft haben umso “totaler” spürbar zu machen.

Wenn Tellkampf heute der Meinung ist, liberale Demokratien (oder das, was davon übrig ist) verhielten sich heute so wie die DDR-Gesellschaft anno dazumal, so hat er in zumindest einem Punkt unrecht: Hierorts wird das Wohlstandsmilieu in seinem Bedürfnis, sich vom Rest der Gesellschaft abzugrenzen, politisch nicht eingehegt sondern ganz im Gegenteil befördert. Also streben sie selbst in wachsende Gated Communities. Und bleiben dort in ihren Blasen unter sich, und sei es, weil sich der große Rest die Angebote, die das Ausstellen diesbezüglicher Ditinktionsgewinne erst ermöglichen nicht zu leisten vermag.

Mit dem Ergebnis, dass die Gesellschaften immer ungleicher werden, ohne dass dem Politik noch Grenzen zu setzen vermag.

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