Wimmer’s Kommentar
Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.
“Supergau” – für die Wissenschaft? Nein, für die Politik
Vor ein paar Tagen wurden mögliche Einsparungsszenarien für Wissenschaft und Forschung bekannt. Die Rektoratssprecherin Brigitte Hütter sprach daraufhin von einen “Supergau” für die Univerrsitäten ( https://science.orf.at/stories/3235622/ ).
In der Zwischenzeit hat die Regierung die Entscheidung für ie Wissenschafts- und Forschungsbudgets auf den Herbst verschoben. Und doch könnte der Schaden nicht größer sein.
Die Sorge bleibt, dass die Universitäten im nächsten Budget nicht nur mit stagnierenden Mitteln auskommen sondern signifikante Kürzungen werden hinnehmen müssen.
Vermittelt wurde diese Nachricht in Zuge eines Kommunikationsdesasters, das die Nachwuchshoffnung der SPÖ, Wissenschaftsministerin Eva Holzleitner nachhaltig beschädigt hat. Dass da auch ein politisch kluger Finanzminister Markus Marterbauer “mitgespielt” hat erscheint im Nachhinein umso unverständlicher, als “Bildung” das einzige ideologische Assett ist. das eine im Niedergang befindliche SPÖ noch in die Diskussion einzubringen vermag.
Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass sich die aktuelle Regierung von der FPÖ “mit einem nassen Fetzen” vor sich hertreiben lässt (Jörg Haider), dann war es diese eklatante Bekenntnis zur bewußten Schwächung der (intellektuellen) Eliten.
Ja, jetzt steht die Regierung vor dem Scherbenhaufen des Versuchs, auf dem Ressentiment der rechtsextrem bereits weitgehend präformierten einfachen Leute, Politik zu machen. Anstatt bei diesen Menschen mit aller Kraft dafür zu werben, dass “Wissen” die einzige signifikante Ressource ist, die Prosperität für die Vielen ermöglicht, hat sie sich einmal mehr Steigbügelhalterin des künftigen Volkskanzler, der haltlos gegen die um sich kreisenden Großkopferten wettern darf, empfohlen.
Die Dreier-Koalition ist angetreten, um sich – ein vorerst letztes Mal – als Alternative einer rechtsradikalen Machtergreifuung zu emfpehlen. Und schwierige Einschnitte zur Budgetkonsolidierung sind unausweichlich. Die völlige Konzeptlosigkeit, mit der hier der Wissenschaftsbetrieb den Vorurteilen einer zornigen Mehrheit geopfert wurde, lässt befürchten, dass es sich hier nicht um einen Supergau der Wissenschaft handelt. Sondern um einen solchen der Politik.
P.S. Als nächstes kommt wohl die Ankündigung der Kürzungen für den Kunstbetrieb. Und ich stelle mir vor, welche guten Argumente der amtierende Kulturminister finden wird, um diese gegenüber einer aufgebrachten Szene zu argumentieren.
