Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

10/09/2026

Über das Ende der Kultur – von den Robber Barons zu den Tech Bros

Es gehörte lange Zeit zur Besonderheit der gesellschaftlichen Verfasstheit der USA, einerseits die Anhäufung großer Reichtümer zu ermöglichen und andererseits die Nutznießer aufzufordern, zumindest einen Teil davon an die Gesellschaft zurückzugeben, als Voraussetzung dafür, als wichtiges Mitglied der Gesellschaft anerkannt zu werden.

Und so sind die Robber Barons Rockefeller, Vanderbilt, Morgan oder Carnegie als brutale Ausbeuter der Arbeiter in die Geschichte eingegangen. Zugleich zeugen Carnegie Hall oder das Rockefeller Center von ihrem philantropischen Engagement, auf dem bis heute weite Teile der sozialen und kulturellen Infrastruktur der Weltmacht USA aufbauen. Entstanden ist so eine ganze Ideologie privater Kunstförderung, die sich in mannifgfachen mäzenatischen Leistungen von staatlichen Eingriffen, wie sie in Europa vorherrschen, abgrenzen wollte.

Die neue Generation der Robber Barons aus dem Silicon Valley hat mittlerweile Reichtümer aufgehäuft, die ihre Vorgänger zu Ende des 19. Jahrhunderts weit in den Schatten stellt. Und doch ist keiner von ihnen bislang als charismatischer Kunstmäzen in Erscheinung getreten, ganz im Gegenteil scheint ihnen die Zerstörung kultureller Öffentlichkeiten ein ganz besonderes Anliegen ihrer selbstgestrickten Ideologie der Selbstverherrlichung zu sein.

Nicht erst die jüngste Aussage von Elon Musk, Empathie wäre eine Schwäche ( https://schmid.welt.de/2025/04/04/struppiges-herrenmenschentum-elon-musk-und-die-empathie/ ) zeigt nicht nur, dass einmal mehr idiotisches Herrenmenschentum, das für diejenigen, die es im Korsett der digitalwirtschaftlichen Vorgaben vordergründig nicht geschafft haben, nur Verachtung kennt, das Kommando übernommen hat.

Es zeigt auch, dass mit der Übernnahme der Hegemonie durch die Tech Bros der Kulturbegriff obsolet wird. Sie stehen für die Annahme, dass in ihren Forschungs- und Entwicklungslabor längst wesentlich avanzierter über die Frage, wie der Mensch lebt und arbeitet (Brecht) entschieden wird als in den zunehmend bedeutungslosen Enklaven des traditionellen Kulturbetriebs.

Noch diskutieren wir darüber, welche Anforderungen sich für den Kulturbetrieb angesichts der fortschreitenden Digitalisierung stellen. Deren Betreiber sind da schon viel weiter: Das machen wir am besten selber. Ganz ohne Empathie.

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