Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

18/03/2026

Wenn Individualisierung Demokratie zerstört – und keiner merkt es

Ich höre es noch so wie heute: “Individualisierung” war das Schlagwort der Bildungspolitik der frühen 2000er Jahre. Die heute völlig aus der Öffentlichkeit verschwundene Claudia Schmied redete sich als Bildungs-, Kunst- und Kulturministerin den Mund fusslig, die je besonderen Potentiale der Schülerinnen zu entdecken, zu fördern und für die Entwicklung einer je eigenen Karriere nutzen zu wollen.

Wenig war vergleichsweise die Rede davon, dass damit die Werte der Konkurrenzgesellschaft in die Schule verlagert wurden, um die Schülerinnen möglichst früh im Kampf untereinander zu rüsten.

Ja, da war schon manchmal die Rede von sozialem Lernen, ja auch von politischer Bildung. Aber im Grunde ging es um die Durchsetzung einer Ideologie einer zeitgenössischen Variante des Jeder ist entlang einiger weniger zertifizierbarer Begabungen – seines eigenen Glückes Schmied.

Mit der verhängnisvollen Konsequenz eines Glaubens, wonach es nur an den Lernenden selbst läge, wie weit sie es im Leben bringen würden. So als wären Lernprozesse nicht Formen der Vergemeinschaftung, in denen die anderen mindestens ebenso über meinen Lernfortschritt bestimmen wie diejenigen, auf die mit dieser selektierenden Bildungspolitik die gesamte Verantwortung für das individuelle Fortkommen gelegt wurde (und da rede ich erst garnicht von den ungleichen ehtnischen, religiösen, familialen, sozialen oder geographischen Voraussetzungen).

Das Ergebnis ist eine verdummende Selbstsicht als einziger Ausweis von Zeitgenossenschaft, die sich – gesellschaftliche oktroyiert – zum Maß aller Dinge erklärt. Im Guten ebenswo wie im Schlechten.

Dass sich auf diesem Lernziel kein positives Verhältnis zum politischen System und schon garnicht zur demokratischen Konfliktaustragung entwickeln lässt, scheint mir nur zu logisch.

Ja, die Macht der sozialen Medien, die Schwerfälligkeit der staatlichen Apparate, die wachsnewdenb Bedrohungen, die fehlenden Perspektiven, die im Vergleich dazu unglaubwürdigen politischen Äusserungen. sie alle werden einen Anteil haben an der wachsenden Demokratiemüdigkeit vor allem junger Menschen haben.

Entscheidend aber scheint mir, dass Schule in ihrer gegenwärtigen Verfassung den jungen Menschen die Idee von Vergemeinschaftung gestohlen hat. Dass hier systemisch statt dessen ein Kampf jede/r gegen jeden tobt, der nur von einigen wenigen gewonnen werden kann, wärend der immer größere Rest, sich gegen das politische System wendet, das sie als Belastung definiert.

https://www.derstandard.at/story/3000000312812/wenn-jugendliche-nicht-an-die-politik-glauben-gefaehrdet-das-die-demokratie

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