Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

16/01/2026

“When Art Is Not Working But Active” – Was aus Franklin Roosevelts kulturpolitischem Konzept zu lernen ist

 
Seit rund 40 Jahren verfolgt die Sozialdemokratie die Strategie des “Kleineren Übels”. Und ist seit dem kometenhaften Aufstieg Jörg Haiders auch kulturpolitisch immer inhaltsleerer geworden. Und so ist aus einer Partei mit dem Anspruch zur Alleinregierung eine Verteidigungstruppe ehemaliger Aufsteigerinnen geworden, die gerade noch rund 18% der Wählerstimmen auf sich vereint.
 
Weitgehend undiskutiert bleibt dabei der Umstand, dass sich der konzeptive Kern dieser Partei als politische Anwältin der arbeitenden Bevölkerung in dieser Zeit fast völlig aufgerieben worden bzw. an die Freiheitliche Partei verloren gegangen ist. Auf ihrem Weg in den Niedergang ist der Sozialdemokratie jede überzeugende Perspektive zur Zukunft der (Erwerbs-)arbeitsgesellschaft abhanden gekommen. Und damit fast schon eine Garantie, dass die Freiheitlichen in der nächsten Runde ans Regierungsruder kommen werden.
 
Ich weiß, es ist ein ketzerischer Gedanke: Aber wenn – verstärkt durch die grundstützenden Transformationsprozesse im Produktions- und Dienstleistungebereich – der ehemaligen Arbeiterinnen-Partei jede Vorstellung einer, die Menschen erfüllenden Erwerbsarbeit abhanden gekommen ist: Wie wäre es, Hannah Arendt in ihrer Vita Activa folgend – die Logik der Arbeit durch die der Tätigkeit zu überwinden. Um so sukzessive das Tun-Müssen durch das Tun können, die zunehmend immer schgwierigeren Versuche des indivuellen Fortkommens durch gemeinschaftliches Tun als Ausdruck gesellschaftlicher Handlungsmacht zu überwinden. Und das jenseits rechter Zwangsvorstellungen entfremdeter Leistungsbereitschaft, Konkurrenz, Isolierung, Ausgrenzung und Verarmung.
 
Die Bedingungen für eine solche Form des grundsätzlichen politischen Umdenkens waren noch nie so gut. Schon weil es nichts mehr zu verlieren gibt. Dazu verfügte die Sozialdemokratie mit Künstlerinnen ein weitgehend ungehobenes Potential, soziale Experimente jenseits einer überkommenen Arbeitlslogik zu wagen.
 
Franklin Roosevelt hat in den 1930er Jahren im Rahmen seines “New Deal” ein großes soziales Experiment gestartet. “Art Works” beauftragte eine Vielzahl von (arbeitslosen) Künstlerinnen, möglicht nahe an den Arbeitsverhältnisse der Menschen künstlerisch tätig zu sein, um damit der Gesellschaft jenseits der Großen Depression neue Perspektiven zu eröffnen.
 
Anstatt aber Künstlerinnen die letzten Möglichkeiten zu nehmen, künstlerisch tätig zu werden ( https://kulturrat.at/zuverdienst-beim-ams-muss-moeglich-sein ), könnte Kulturpolitik als Gesellschaftpolitik heute ihr Augenmerk darauf richten, ihr Tätigsein nicht noch zusätzlich zu erschweren sondern als Anschauung für die Überwindung der Logik der Arbeitswelt zu nutzen. Und damit all denen neue Räume des Tätigseins zu eröffnen, die in der traditionellen Arbeitswelt keinen Platz mehr finden.
 
Die Sozialdemokratie als Partei der künstlerisch inspirierten tätigen Arbeitslosen, das wäre immerhin eine kultur-politische Konzeption, die in die Zukunft weist.
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