Michael Wimmer
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Wimmer’s Kommentar

Michael Wimmer bezieht in seinen Kommentaren regelmäßig Stelllung zu den neuesten Entwicklungen in Kultur, Bildung und Politik.
Ergänzt werden diese durch eigene Begegnungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Tätigkeit als Dozent, Autor und Berater.

22/06/2026

Wie wäre es mit einer Wiederauflage von Bildungspolitik – Universität für ein paar Gschtopfte? Für ein paar Gescheite? Für ein paar Begabte? Für Diskriminierte? Für alle?

Heute hat sich die amtierende Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner zu Änderungen des Wissenschaftsbetriebs in Österreich zu Wort gemeldet (https://www.derstandard.at/story/3000000328282/ein-standort-ein-studium-holzleitner-plant-wissenschaftsregionen-ohne-parallelstrukturen ). Ausgelöst von den jüngst veröffentlichten Sparplänen auch die Universitäten spätestens ab 2028 betreffen diese vor eine organisationelle Ausrichtung der Einrichtungen zur höheren Bildung.

Könnt es sein, dass hinter der aktuellen Aufregung eine bildungspolitische Grundsatzfrage steckt, die tief in unseren ideologischen Haushalt hineinreicht?

Die längste Zeit waren die Hohen Schulen Ausbildungsort einer minoritären Elite, deren intellektuellen, künstlerischen, allenfalls auch spirituellen, jedenfalls nicht handwerklich herausragenden Potentiale es galt, zur bestmöglichen Wirkung zu verhelfen. Ihre Begründung fand diese in einer als natürlich verhandelten Teilung der Gesellschaft in ein paar wenige, mit ausreichendem Talent Beschenkten und den vielen, für die eine höhere Bildung als verlorene Liebensmüh erarchtet wurde.

Diese intellektuelle Zwei-Klassen-Gesellschaft sollte ab den 1970er Jahren mit der Annahme überwunden werden, alle Menschen wären im Prinzip in gleiche Weise bildungsfähig (https://geschichte.univie.ac.at/de/themen/offener-hochschulzugang-und-massenuniversitaet ). Obig angedeutete Trennung – so der seierzeitige biuldungspolitishe Anspruch – sei weniger in unterschiedlichen Persönlichkeiten als in ungleichen sozialen Verhältnissen zu finden. Die Antwort war die “Massenuniversität” mit seither stark steigenden Hörerinnenzahlen samt entsprechenden Zertifizierungen im Bologne-Modus.

Eine kurze Zwischenbilanz würde ergeben, dass viele sich daraus ergebende Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Niemand weit und bereit, der behaupten wollte, Höhere Bildung auf immer breiterer Basis habe zu einer signifikanten Ausweitung einer politisch bewußten Zivilgesellschaft geführt, die sich im Auftrag sieht, die Geschicke des Gemeinwesens aktiv mizugestalten. Gleichzeitig hat sich die Akademiker-Rate nachhaltig erhöht was wiederum zu einer Erhöhung der Einstiegsschwellen in einen national ebenso so wie international konkurrenzgetriebenen Arbeitsmarkt geführt hat.
Darüber hinausgehende Effekte einer universitäten Vollversorgung zur Verbesserung der beruflichen Realisierungschancen samt positiver Auswirkungen der individuellen Lebensgestaltung im Vergleich zu einem alles durchdringenden und medial vermittelten Konsumentinnen-Markt als dem eigentlichen Bildungsmotor verlaufen sich nur zu gern im Wunschdenken.

Eine Wissenschaftspolitik ist gut beraten, sich als Anwalt der im und rund um den Wissenschaftsbetrieb Tätigen zu sehen.

Darüber hinaus aber bleibt die viel entscheidendere Frage, an wenn sich das Angebot von Universitäten und ihres wissensdhaftlicen Umfeldes künftig richten soll: Wieder stärker an einige wenige Begabte, national ebenso wie international (die es gilt, stärker als bisher zur Kassa zu bitten)? An die Nachkommen einer wohlhabenden Elite, die den Anspruch stellt, sich mittels einer Universitätsstudium zu perpetuieren? Oder an eine”breite Masse”, einfach weil die gewaltsame Trennung von Kopf- und Handarbeit im Zeitalter der digitalen Medien zunehmend kontraproduktiv zu werden droh? Oder aber einfach in der Erfüllung eines politischen Auftrags, in dem sich eine Gesellschaft entlang immer mehr Bildug für immer mehr Menschen erfüllt?

Zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, Frau Wissenschaftsministerin, und dadurch eine breite öffentlice Diskussion mit dem Titel “Was bringt wem der Wissenschafsbetrieb” wäre vielleicht eine gute Voraussetzung für die Planung künftiger Wissenschaftsstrukturen samt ihres Finanzierungbedarfs.

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