Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

12/12/2025

Die Linke und der Mangel an Zukunftsperspektiven: Hannah Arendt und ihr Entwurf einer “Vita activa” gibt zu denken.

Eine der bittersten Erkenntnisse des aktuellen politischen Backlash ist für mich der Verlust der kulturellen Hegemonie der demokratischen Kräfte. Während sich die Rechten darin überbieten, ihrer wachsenden Klientel eine “bessere Welt” zu versprechen, erschöpfen sich die Linken in der Analyse von Fehlentwicklungen samt Versprechen, dass es schon nicht ganz so schlimm werden wird.
 
Ein zentraler Denkfehler scheint mir darin zu liegen, an der Arbeitsgesellschaft als Ultima Ratio gesellschaftlicher Entwicklung festzuhalten. Auch wenn Klima, Ressourcen, Technologie und die Logik einer auf permanentes Wachstum gerichteten Ökonomie längst eine ganz andere Sprache sprechen, bleibt die Zurichtung der Menschen auf die Logik der Erwerbsarbeit scheinbar alternativlos. Selbst die vagen Versuche, die Diskussion um “arbeits- bzw. bedingungsloses Grundeinkommen” scheinen in der aktuellen Situation weitgehend zusammen gebrochen.
 
Sosehr die Linke sich als Traditionshüterin der Interessen der arbeitenden Menschen versteht, so wäre es doch hoch an der Zeit, gerade jetzt Alternativen zur Arbeitsgesellschaft anzudenken. Der aktuelle Hype um Hannah Arendt bietet dafür eine gute Grundlage, wenn sie bereits 1958 in “Vita activa – Vom tätigen Leben” darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Phase der Erwerbsarbeit nur eine Zwischenphase gesellschaftlicher Entwicklung darstellt, um früher oder später von einem “tätigen Leben” nicht nur einiger weniger Privilegierten und damit der aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aller abgelöst zu werden.
 
Klar, es gab und es gibt mehr denn je interessensgeleitete Kräfte, die dieses Konzept der Befreiung aller Menschen aus den Zwängen der Erwerbsarbeit als völlig illusorisch denunzieren. Und damit als ebenso unvorstellbar darstellen wie die Ansprüche der ersten VertrterInnen einer organisierten Arbeiterbewegung, die sich dennoch erfolgreich auf den Weg gemacht haben, den Wohlfahrtsstaat zu erkämpfen.
 
Mit der unbedingten Verteidigung der Arbeitsgesellschaft führt die Linke heute ein Rückzugsgefecht, das der Rechten jeden Raum lässt, ihre Perspektiven der Abschottung, Renationalisierung, Autoritarisierung und Ressourcenraubbau als einzige politische Strategie, die Arbeitgesellschaft für die eigenen gegen die andern zu verteidigen, zu entwickeln.
Ein mutiges kulturpolitisches Konzept im Versuch, die künftigen Notwendigkeiten der Arbeit und des Herstellens mit den Möglichkeiten der Kultur als Form des tätigen Lebens zu verbinden, würde einen neuen Raum zur Diskussion von Perspektiven eröffnen, die sich nicht darin erschöpft, allenfalls das Schlimmste zu verhindern sondern Alternativen aufzuzeigen, wofür es sich auch in Zukunft zu leben lohnt.

 

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