Wimmer’s Comment
Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.
Wir sitzen alle in einem Boot: Die Botschaft der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Kulturbereich.
Mit guten Gründen bedauert die IG Kultur ( https://igkultur.at/politik/soziale-verschlechterung-besiegelt-ams-zuverdienstverbot-ab-112026?fbclid=IwY2xjawO0sYJleHRuA2FlbQIxMABicmlkETBSejBSNTV6T3lkSG1NMlZxc3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHqM-GdXSj0MWORDp9D0SexH4iJ1UDvJD_Aij71uoEQcNc7RTTE3YAJeN5K4E_aem_66dlBwimhTYeZ7Xu-Dkptw ), dass im Zuge der Novellierung des Arbeitslosenrechts die besonderen Arbeitsbedingungen von Kulturarbeiterinnen nicht mehe berücksichtigt werden.
Wie alle anderen Arbeitslosen werden in Zukunft auch bei ihnen die Zuverdienstregeln bei Arbeitslosigkeit beschränkt. Die Konsequenzen tragen vor allem im Freien Bereich Tätige, die auf Grund der knappen Budgets der Arbeitgeber bislang auf diese Form von Zuverdienst angewiesen waren.
Diese Entscheidung hat freilich Auswirkungen, die weit über den Kulturbereich hinausgehen (nach der Kulturstatistik insgesamt rund115.000 Beschäftigte, ein Teil davon freilich in hochprivilegierten Beschäftigungsverhältnissen).
In Österreich gibt es einen wachsenden Sektor der Working Poor (laut Arbeiterkammer sind das 300.000 – 330.000 oder rund 7 – 8% der Erwerbsbevölkerung). Sie sind erheblich materiell und sozial benachteiligt und können von Gehalt eines Vollzeitäquivalents ihr Leben nicht bestreiten. Trotz aller Euphorie im Zuge umfassender Digitalisierung, die versprochen hat, die Arbeitsverhältnisse umfassend in Richtuung Besserqualifizierung zu transformieren, geht der Trend zur Zeit in die genau umgekehrte Richtung: Immer weniger Hoch- und Höchstqualifierte stehen immer mehr Unqalifizierte gegenüber, die an der Stange gehalten werden wollen.
Diese Entwicklung macht auch nicht vor dem Kultursektor halt: Immerhin ist die Vermutung nicht ganz von der Hand zu weisen, dass sich insbesondere im Freien Bereich Menschen wiedergefunden haben, die sich mit Beschäftigungsverhältnissen am Ersten Arbeitsmarkt besonders schwer tun. Im Kulturbereich fanden sie einen Ort, in dem sie schlechte Arbeitsbedingungen mit dem Mythos der Selbstverwirklichung zu kompensieren vermochten. Die Kulturpolitik war sich dessen bewußt und hat mittels Förderungen Schutzzonen aufrechterhalten, in denen diejenigen, die am regulären Arbeitsmarkt keine Chance hatten, trotzdem am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnten.
Damit ist jetzt Schluss.
Das ist die eigentliche Botschaft, die mit der Cancellung der Sonderstellung vermittelt werden soll. Wir können und wollen uns diese Verweigerung bestimmter Personengruppe, am bedingungslosen Konkurrenzkampf am Arbeitsmarkt teilzunehmen nicht mehr leisten. Und sei es, allen Jobsuchenden mitzuteilen, dass die Teilnahmer am regulären Arbeitsmarkt alternativlos ist. Und sei es, als Working Poor ein perspektivloses Leben zu fristen.
Die Tüchtigen und Fleissigen, die uns gewählt haben, erwarten das von uns.
