Wimmer’s Comment
Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.
Musik kann garnichts. Ausser Musik sein.
Ich geb zu, dass ich diversen advocacy studies gegenüber immer etwas skeptisch war, die suggerieren wollten, Musik mache irgendwie besser, klüger, schlauer, empathischer als….ja, als was.
Schnell zur Stelle waren da die musikaffinen Gehirnforscher Marke Hüther, die in teuren Selbstbestätigungsprogrammen einer tendentiell marginalisierten Gruppe den Bauch gepinselt haben, dass ihre musikalische Begabung sie gegenüber allen anderen, nein nicht in erster Linie künstlerisch sondern kognitiv und allenfalls auch emotional hervorstechen lassen würde ( https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/musik-forschung-intelligenz-musikalitaet-100.html ) .
Und ich stellte mir das Selbstwertgefühl der Teilnehmerinnen in Versammlungen von Musikerzieherinnen (AGMÖ) vor, wie sie sich gegenüber ihren profanen Kolleginnen erhaben wußten, und sei es darum, damit ihre zunehmend marginalisierte Stellung innerhalb des Schulcurriculums zu verschleiern.
Sie alle werden jetzt enttäuscht sein von den Ergebnissen einer Studie, die zum Schluss kommt, dass sich die stereotyp wiederholten Umwegrentabilitäten des musiklischen Übens in Grenzen halten
( https://tirol.orf.at/stories/3339735/ ). Dass sich statt dessen mögliche Effekte vor allem aus der Selbstrekrutierung der Musikerinnen ergeben, die vorwiegend aus wohlhabenden und damit bildungsnahen Milieus stammen.
Dass diese einen besonderen Bedarf haben, sich in einer gesellschaftlichen Verfasstheit, in der quantifizierbare Nutzenerwartung bzw. ökonomische Verwertbarkeit des Erlernten zunehmend ausschließlich über Erfolg entscheidet, mti dem eigenen Tun zu behaupten, ist nachvollziehbar.
Und doch kommen wir nicht um die Einschätzung herum, dass Musikerin-Sein in erster Linie über die Befähigung erzählt, Musik zu machen. Und wir also gefordert sind, gegen alle Instrumentalisierungsversuche einer fremdbestimmten Verwertungslogik den Wert in der Musik selbst zu erkennen.
Der Rest ist Staffage, die der Musik gerade das nimmt, was sie ausmacht. Querzustehen zu dem, was ist.
