Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

16/02/2026

Ja, es ist ein Kreuz mit der Kirche – Rainer im Dom

Der Dompfarrer Toni Faber will es so. Und der Unternehmer und Sammler Werner Trenker zieht großen Nutzen daraus. Also hängen seit ein paar Tagen 77 Kreuze gegen den erklärten Willen des Schöpfers Arnulf Rainer in der Wiener Stephanskirche. Morgen gibt sich der Bundeskanzler persönlich die Ehre, die “Ausstellung” zu eröffnen.

Aus dieser Kunst-Inszenierung lässt sich viel lernen. Da ist zum einen die Erkenntnis, dass ein Künstler mit dem Verkauf seines Werkes weitgehend sein Recht verwirkt, über den Kontext zu verfügen, in dem es gezeigt wird. Rainer hatte noch kurz vor seinem Tod mit Klage gedroht, weil ihm eine Vereinnahmung seiner Arbeiten durch die katholische Kirche zutiefst wider den Strich ging ( https://www.kunstforum.de/nachrichten/arnulf-rainer-klagt-gegen-ausstellung-im-wiener-stephansdom/ ). Und doch nicht verhindern konnte, dass die Macht der Institution (in dem Fall der katholischen Kirche) bereits wenige Tage nach seinem Tod wesentlich stärker ist als die künstlerische Intention.

Es ging Rainer dabei ganz ähnlich wie Künstlerinnen, deren Hervorbringungen wahlweise von der FPÖ, Trump oder anderen Zustimmung Heischenden genutzt werden, um gegen deren Willen am Prestige der dergestalt Vereinnahmten zu partizipieren (Reinhard Fendrich mit seinem “I am from Austria” als Einpeitscher für die FPÖ ist dafür nur ein Beispiel: https://kurier.at/politik/inland/fendrich-versus-fpoe-kontroverse-um-i-am-from-austria/81.559.744 ).

Und da ist zum anderen noch einmal der Versuch einer konservativ-katholischen Selbstbehauptung, für die der künstlerische Wille des Schöpfers bestenfalls ein um der Kunstwillen zu negierender Ausdruck eines alten Mannes, der allenfalls nicht mehr ganz bei Trost gewesen sei.

Ja, verlogener kann man Kunst und Kirche nicht zu versöhnen trachten. Ein Dompfarrer, der in seiner Eitelkeit um unbedingte Aufmerksamkeit giert, ein Sammler, dessen Werke mit diesem Staatsakt in einer Kirche an Wert gewinnen. Und ein Bundeskanzler, der sich auf den Trümmern jeglicher Glaubwürdigkeit noch einmal über die Grenzen von Kirche und Staat hinwegsetzt. Als frommer Katholik kann er ja die Fastenzeit dafür nutzen, den Übergriff zu bereuen.

Die Ausstellung findet gegen den Willen des Künstlers statt. Immerhin mag sich Arnulf Rainer darüber freuen, dass diese unsägliche Selbstzbeweihräucherung der führenden interessensgeleiteten Akteure in seinem Namen zeigt, wie der Kunstbetrieb funktioniert – als amoralische Veranstaltung mitten in einem pseudomoralischen Ambiente.

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