Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

18/02/2026

G. W. Papst und Herbert von Karajan – Über Künstlersein vor, im und nach dem Nationalsozialismus

Gerade ist eine neue Karajan-Biographie des jüdisch-deutschen Historikers Michael Wolffsohn erschienen ( https://www.sueddeutsche.de/kultur/herbert-von-karajan-dirigent-nsdap-mitgliedschaft-li.3386612?reduced=true ). In “Genie und Gewissen” konzediert der Autor -im Gegensatz zur aktuellen Forschung – dem Dirigenten zwar gnadenlosen Opportunismus, um seine Kunst leben zu können. Mit dem Nationalsozialismus habe das Parteimitglied hingegen nichts am Hut gehabt.

Es trifft sich, dass ich gerade den Romen “Lichtspiel” gelesen habe. Darin erzählt Daniel Kehlmann die Lebengeschichte von G.W.Papst, einer der großen Regisseure der Stummfilmzeit (“Die freudlose Gasse”), der mit seiner künstlerischen Rigidität und Ungeschicklichkeit daran steitert, in Hollywood Fuss zu fassen. Eine gefakte Nachricht zum Zustand der Mutter bringt ihn dazu, mit dem Beginn des Nazi-Herrschaft noch einmal nach Österreich zu kommen. Um hier mit der Familie hängen zu bleiben – und für die Nazis Filme zu machen. Unter Goebbels Gnaden stehen ihm alle Mittel zur Verfügung, die Filme zu realisieren, die er schon immer machen wollte. Und er macht sie, in äußerster Anstrengung noch in den letzten Kriegstagen.

Nach dem Krieg konnte der ehemdem Rote Papst nie mehr an seine Erfolge aus der Vorkriegszeit anknüpfen. Er blieb fortan ein Verfemter, der in Hollywood gescheitert war und in Nazi-Deutschland sich hat kompromittieren lassen.

Da war Karajan durchsetzungsstärker. Auch er hat sich als persönlicher Protegé Görings in Konkurrenz zu Goebbels Furtwängler-Verehrung missbrauchen lassen. Zum Unterschied zu Papst aber gelang ihm schon bald nach 1945 eine beispiellos unpolitische Karriere (an der auch der Einflüsterer des späteren Kulturministers Fred Sinowatz Fritz Hermann mit seinen Karajan-Schnaderhüpfln nichts mehr zu ändern vermochte ( https://www.derstandard.at/story/2000140998779/gedenken-an-fritz-herrmann-trara-trara-die-goldlawua ).

Ach ja: Kehlmann gelingt eine vielseitige Nacherzählung eines ebenso ambitionierten wie gescheiterten Menschenlebens. Über das, was G. W. Papst in seinem Innersten ausgemacht hat, was ihn getrieben, was ihn zerstört hat, darüber erfahren wir entlang ll der Blitzlichter nur wenig. Und es ist einem beim Lesen, als wäre Kehlmann der eigene Wunsch nach literarischer Anerkennung durchgegangen, auf Kosten dessen, um den er vorgibt, dass es ihm geht.

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