Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

19/03/2026

(Fast) alles über nichts – Über die zunehmende Orientierungslosigkeit der Mittelschicht

Zugegeben, der neue Bodo Kirchhoff “Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt” ( https://www.perlentaucher.de/buch/bodo-kirchhoff/nahaufnahmen-einer-frau-die-sich-entfernt.html ) hat bei der Kritik keine gute Nachrede. Irgendwie geschätzig, exotistisch und dazu ein wenig überzeugender Plot: Eine in die Jahre gekommene Frau, die ihrem Mann nach Mumbai nachreist. Sich dort in einen jüngeren Deutsch-Inder verliebt während sich der Mann mit einem Waffenhändler trifft, um ein Buch über eine Welt ohne Waffen zu schreiben. Schließlich stirbt ihr Doktorvater und vormaliger Geliebter. Und das Begräbnis in Schnee und Eis wird zur Grundlage, dass die Heldin aus ihrem bisherigen Leben und so mit unbestimmten Ziel aus der Romanhandlung tritt.

Nach der Lektüre überkam auch mich eine große Ratlosigkeit: Es stimmt nichts. Die Figuren hanteln sich hilflos von Befindlichkeit keit zu Befindlichkeit, denen sie in keiner Weise trauen, um doch völlig von ihnen abhängig zu sein. Und mir war, als würde auf all diesen Seiten den Akteurinnen zunehmend der Boden entzogen. Sie wollen das Leben genießen, sie wollen sich engagieren, sie wollen lieben und sie wollen der Wahrheit näher kommen (und sei es in Kontakt mit dem “Fremden”). Und erfahren sich doch als völlig beliebig, haltlos, sich selbst nicht mehr vertrauend, irgendwie übrig geblieben in einer Welt, die keine Haltegriffe mehr bietet. Und so auch den Versuch, eine Welt ohner Waffen zu beschreiben, als genauso beliebig erfahren lässt wie die Heirat der sich im international banking hocharbeitenden Tochter mit einem Militaristen.

Und dazwischen leuchten unerhörte Sätze auf, die im letzten auf die Einsicht zulaufen, Liebe als Fähigkeit, sich der Vergeblichkeit des menschlichen Lebens zu stellen, hinauslaufen. Und bleiben doch nur Sätze.

Den einzigen Ausweg, den Kirchhoff in dieser Situation anbietet ist, sich aus der Welt zu verabschieden. Nein, nicht um sich umzubringen. Sondern – nachdem wir die Heldin in all ihren Versuchen, dem Leben etwas Signifikantes abzugewinnen – aus der Geschichte des eigenen Lebens aussteigen zu lassen, um all dieses ebenso grandiose wie hilflose Als-ob zu beenden.

Als Leserinnen können wir nur vermuten, dass sie jenseits von Kirchhoffs Text versuchen wired, sich ihrer ganzen – und als einzelne völlig überfordernden – Unerträglichkeit zu stellen. Um noch einmal so etwas wie Schönheit zu erfahren, irgendwann, irgendwo…etwa im Nachgang der Lektüre dieses Bu

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