Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

08/04/2026

Kunst – Wenn die Nutznießer den Wert bestimmen

Rund um die Kanonisierungsversuche dessen, was Otto Mühl als seine Kunst in die Öffentlichkeit gebracht hat, ist zuletzt ein heftiger Streit ausgebrochen. Da sind zum einen diejenigen, die Kunst von ihren Bestehensbedingungen zu abstrahieren versuchen, um selbst die Definitionsmacht über diese zu übernehmen. Wie sie entstanden ist, das ist ihnen im Grund völlig wurscht; was zählt ist einzig, welchen Wert sie ihm (ästhetisch ebenso wie monetär) zumessen. Weil sie die Macht dazu haben. Schließlich sei Kunst moralischen Kriterien nicht fassbar zu machen.

Und da sind die, die als Halbwüchsige einst zur Herstellung von Mühls künstlerischen Emanationen herhalten mussten; eine Erfahrung, von ihnen nicht beeinflussbar, die sie ein Leben lang als Leid begleiten wird. Sie sprechen dem, was da unter Mühls Diktat zustande gekommen ist, bestenfalls einen negativen Wert zu und fordern eine entsprechende “Entkunstung” (https://www.derstandard.at/story/3000000314960/diese-bilder-sind-keine-muehl-werke-sie-sind-sektenkunst ).

Der Mainstream hingegen scheint in eine andere Richtung zu gehen. Unter der Leitung des ehemaligen Generaldirektors der Albertina Klaus Albrecht Schröder bereitet das Wiener Aktionismus Museum (WAM) eine Mühl Retrospektive vor, zu verlockend die Aussicht, damit sowohl Aufmerksamkeit als auch finanzielle Wertsteigerung zu kreieren.

Hinter diesen Auseinandersetzungen um den Marktwert eines kriminellen Künstlers lässt sich unschwer die grundsätzliche Frage nach dem künftigen Verhältnis zwischen Kunstproduktion, -vermittlung und -rezeption erkennen.

In mir entsteht das Bild, wie Klaus Albrecht Schröder als Halbwüchsiger mit Farbe beschmiert über Leinwände gezogen wird, um darauf von den “höheren Frauen” am Friedrichshof vergewaltigt zu werden, um zu einer etwas anderen Einschätzung über den Wert von Mühls Werk zu kommen als in seiner Eigenschaft als unbefleckter Museumsdirektor. Aber das bleibt eine Vermutung.

Und ich kann mir auch vorstellen, die kulturpolitischen Wortführerinnen rund um Kunstministerin Hawlicek ihr damalig´wohlwollend-ignorantes Begleiten von Mühls Sozialexperiment heute etwas kritischer einschätzen würden. Vor allem vor dem Hintergrund damaliger Ansprüche einer Sozialpolitik als Gesellschaftspolitik. Offenbar wirken die Folgen dieser Form der politischen Amoralität bis heute negativ nach.

Über die Hintergründe hat Uwe Mattheis umfassend recherchiert und sie in der taz veröffentlicht ( https://taz.de/Streit-in-Wien-ueber-Aktions-Kunst/!6142341/ )

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