Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

05/03/2026

Der Philosoph Hanno Sauer im Literaturhaus Graz: Wenn der Satz “Das Sein bestimmt das Bewusstsein” noch immer stimmt

Erfreulich groß war das Interesse an Hanno Sauers Präsentation seines neuen Essays zu “Klasse -Die Entstehung von Oben und Unten” im Grazer Literaturhaus. Full House für eine bereits auf dem Müllhaufen der Geschichte gewähnte soziologische Kategorie, um sich und andere in der Gesellschaft zu verorten.

Sauers innovativer Zugang liegt wohl darin, dass er im Gefolge von Thorsten Veblen und Pierre Bourdieu Klasse nicht vorrangig nicht entlang der ungleichen Verteilung materieller sondern der immaterieller Güter her denkt. Ihm geht es also um die ästhetische und moralische Dimension von Einschluss und Ausschluss sozialer Gruppen, die sich entlang unterschiedlicher sozialer Signale erkennen.

Als fast schon idealtypischer Vertreter der Düsseldorfer Bourgeoisie verhandelt er Klasse vor allem aus der Sicht derer da oben. Und hat viel davon zu erzählen, was seinesgleichen tut, um unter sich zu bleiben. Die schier unendliche Aufzählung all der Roimane, Filme und Musikstücke, man rezipiert haben muss, lassen die Insiderinnen um Publikum schmunzeln. Sie gehören ganz offensichtlich dazu.

Die da unten bleiben hingegen weitgehend farblos, so als verfügten nie nicht über ein ähnlich reiches Ausdrucksrepertoire, um sich gegenn die da oben zu erkennen.

Die eigentliche Provokation aber habe ich als Gesprächspartner von Sauer darin gefunden, dass der Autor einem rekonstruierten Klassenbegriff jegliche politische Dimension abspricht und sich mit einer äußerlichen Zuschreibung aus akademischer Sicht begnügt. Da muss das, was Klasse ursprünglich ausgemacht hat, nämlich das Bewusstsein seiner Mitglieder, mit ihrem Sein als Subjekt im historischen Geschehen aufzutreten und darauf aufbauend Stärke der (revolutionären oder evolutionären) Veränderung zu entwickeln, notwendig aus dem wissenschaftlichen Blick geraten.

Und so stellt Sauers Klasse die genaue Entsprechung einer umfassenden Entpolitisierung der, in der Klasse (jedenfalls die der Benachteiligten) keine politische Dynamik mehr zu entfalten vermag.

Sie scheint vielmerher abgelöst durch einen, von oben nur allzu begrüßten Identitätsdiskurs, der von unterschiedlichen, sich sozial diskriminiert wähnenden Gruppen vorgetragen wird, um genau die Kraft zu untergraben, die einst im Begriff der Klasse aufgehoben war.

Und die herrschende Klasse kann sich die Hände reiben. Sie hat in Sauer eine ideologische Begründung mehr für ihre Suprematieansprüche gefunden.

Sein Befund: In einer alternativlosen Wachstumsgesellschaft werden sich symbolischen Rangeleien auf der sozialen Leiter wohl noch weiter verschärfen. Am Oben und Unten wird seinde Klassenanalyse nichts verändern.

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