Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

05/02/2026

Die Farce um das Unterrichtsfach Latein und die humanistische Borniertheit

In Österreich besuchen rund 20% einer Alterskohorte eine Höhere Schule. Die verfügbaren Statistiken weisen aus, dass im ausdifferenzierten Höheren Schulangebot rund die Hälfte der Schülerinnen das Unterrichtsfach Latein besuchen, dass wären dann rund 10% der jungen Menschen.

Mit der Ankündigung des amtierenden Unterrichtsministers, das Latein-Angebot zugunsten lebensnaher Kompetenzvermittlung moderat zu kürzen, erhebt sich jetzt beiter Protest einer Intelligenz-Fraktion, die noch einmal den essentiellen Beitrag der klassischen Sprachen für die Aufrechterhaltung humanitärer Lebensformen beschreibt.

Und ich frage: Für 10% der Schülerinnen? Und was ist mit den anderen 90%

Ja, da will eine Truppe einer selbsternannten Elite noch einmal deutlich machen, auf welchen Grundlagen sie ihre privilegierte Stellung erworben hat. Zugleich macht sie gerade dadurch deutlich, wie unhumanistisch ihr Denken und Handeln impregniert ist, wenn sie die Humanität nur einem kleinen Prozentsatz der “Eigenen” zu schreibt während sie offenbar kein Problem hat, eine an den Erwerb von Latein gebundene Lebensweise der großen Mehrheit zu verweigern.

Wo waren, wo sind die Aufschreie von Nobelpreisträgerinnen, Künstlerinnen, Intellektuellen und anderen Gscheiterl, wenn es darum geht, allen Schülerinnen die ihnen angemessenen Bildungsvoraussetzungen zu schaffen?

Wo sind die Aufrufe, allen jungen Menschen mit einem Bildungsangebot auszustatten, das ihnen gestattet, ihre intellektuellen, emotionalen und sozialen Potentiale voll auszuschöpfen?

Und wo bleibt der Einsatz für die 90% der jungen Menschen, deren berufliche ebenso wie menschliche Perspektiven sich fast täglich verschlechtern und die nichts anderes erwartet, als sich irgendwo am gesellschaftlichen Rand von den weltfremden Latein-Fuzzis gedemütigt zu fühlen?

Ja, ich bin sehr dafür, dass sich eine Gesellschaft ihrer historischen Grundlagen versichert und diesen Schatz im Rahmen schulischer Bildung den jungen Menschen verfügbar macht.

Aber diese Qualität auf eine kleine Minderheit zu beschränken. Und die anderen nicht einmal mehr mitzudenken, das halte ich für infam.

Und also ausschließlich für einen Beitrag, sich der eigenen sozialen Distinktion zu vergewissern und damit einer weiteren sozialen Verungleichung ein zusätzliches Argument zu verschaffen.

P.S.: Dass ein Unterrichtsminister in einer Zeit grundstürzender Veränderungen meint, mit der Kürzungen des Latein-Angebotes von 3 auf 2 Wochenstunden für ein paar Schülerinnen den schulischen Unterricht mittels eines neuen Unterrichtsfachs Informatik, künstliche Intelligenz, Demokratie- und Medienbildung zeitgemäßer machen zu können, halte ich für einen Treppenwitz der Geschichte. und damit als das Gegenteil von humanitärer Aufklärungs-Bemühung. Es ist schlicht dumm. Und ja, es ist auch politisch höchst gefährlich.

https://www.derstandard.at/story/3000000307090/paedagogisch-unhaltbar-prominente-rufen-gegen-kuerzungen-bei-latein-an-schulen-auf

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