Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

16/03/2026

Gustave Courbet im Leopold-Museum: Eine Empfehlung, sich auszusetzen.

Zur Zeit zeigt das Leopold-Museum eine sehenswerte Ausstellung über das Gesamtwerk von Gustave Courbet ( https://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/150/gustave-courbet ). Was für eine Künstler-Existenz, der bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreich versuchte, sich mit seinen individuellen Anspruchen den dominanten Schulen zu entziehen und suf sich selbst zu vertrauen.

Neu war mir auch sein Engagement während der Pariser Commune 1871, samt seiner Verurteilung 1873 nach derem gewaltsamen Ende, ie ihm fälschlich zuschrieb, am Sturz der napoleonischen Vendôme-Säule mitgewirkt zu haben, um die letzten Jahre im Schweizer Exil zu verbringen.

Dem Lepold-Museum ist es gelungen, auch das skandalumwobene Bild “Ursprung der Welt” aus 1866 nach Wien zu bringen. Es war ursprünglich nicht für eine breite Öffentlichkeit bestimmt und kam über mehrere Umwege in den Besitz des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan, der es zu Hause hinter einem grünen Vorhang verbarg.

Was in ihm wohl vorgegangen sein mag, als er den Vorhang weggezogen hat? Wenn er sich anmasste, als Mann unverhüllten Einblick nehmen in das köperlich Intimste einer Frau.

Im Leopold-Museum hängt das Bild nach Portraits, Landschaften oder Jagdszenen neben ein paar anderen weiblichen Akten. Und ich war voreingenommen genug zu glauben, dass die Besucherinen sich vor allem um dieses Bild scharen würden. Aber das Gegenteil war der Fall, die Besucherinnen schienen einen großen Bogen um den nackten weiblichen Torso mit den geöffneten Beinen zu machen. Und mir war, als stellte die Entscheidung, sich diesem Werk auszusetzen, noch immer eine Mutprobe dar; und sei es aus Angst, in der Museums-Öffentlichkeit als Voyeur wahrgenommen zu werden.

Und es ist doch in erster Linie die Angst vor einem selbst: Klar, all die all die Verdachtsmomente an einem Selbst kommen hoch, man erhielte im Anblick von Obszönität die institutionelle Erlaubnis, sich mit dem eigenen männlichen Blick zu einem blinden sexuellen Begehren bekennen zu können, wofür die Kunst Courbets bloss den legitimierenden Vorwand bietet.

Und dann steh ich als alter Mann alleine vor diesem Bild. Und spüre die unmittelbare Gewalt, die von dieser Darstellung ausgeht. Nicht, weil es meine Bedürfnisse nach Erregung befriedigt. Sondern weil ich mit dem “nackten Leben” selbst konfrontiert werde. In seiner ganzen unverstellten Unmittelbarkeit, die mich im Bemühen der mir entsprechenden Interpretation doch nur der eigenen Lächerlichkeit preisgibt.

Und ich verlasse den Raum mit dem Gedanken: Ein paar mehr Menschen mehr, die sich dem “Ursprung der Welt” aussetzen und ein paar weniger, die unbeteiligt vor der Mona Lisa Schlange stehen.

Und die Welt wäre eine andere.

https://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/150/gustave-courbet

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