Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

20/01/2026

Kultur ist keine Kunst – Eine Erinnerung an Rudolf Burger

“An einem Philosophen ist es eine Nichtswürdigkeit, zu sagen, das Gute und dasSchöne sind Eins. Fügt er gar noch hinzu: und das Wahre!, so soll man ihn prügeln. Die Wahrheit ist hässlich” (Friedrich Nietzsche)

Immer wieder kehre ich in Gedanken zu Rudolf Burgers Rektoratsrede von 1995 “Kultur ist keine Kunst” zurück ( https://www.jstor.org/stable/23984028 ). Mit ist bewußt, dass ich mir mit einem diesbezüglichen Hinweis nicht nur Freunde mache, und doch stellt seine Position heute mehr denn je eine notwendige Provokation für einen Kunstbetrieb dar, der sich auf so etwas wie einer gemeinsamen Kultur beruft.

Auch wenn Burger gleich zu Beginn entlang seiner Gesellschaftsanalyse auf den prekären Charakter jeglichen künstlerischen Anspruchs hinweist, so läuft seine Analyse darauf hinaus, dass jedenfalls sein Kunstbegriff aber schon gar nichts mit Kultur auf dem Hut hat, allenfalls als radikaler Gegenentwurf kulturellen Harmoniestrebens seine Berechtigung erfährt,.

Spätestens mit dem Ende der Geschichtsphilosophie, die uns in diesen Tagen wieder ganz hautnah näher gebracht wird (liberale Demokratie als Endpunkt des gesellschaftlichen Fortschritts), habe die Kunst ihre Avantgarde-Funktion verloren, und werde allenfalls noch als Medium der Sinnstiftung im laufenden Modernisierungsprozess oder als unterhaltender Ersatz für Politik instrumentalisiert (Burger vermeidet jeden Hinweis auf Kunst als Expression des individiuellen materiellen und immateriellen Distinktionsgewinns).

Dies führe vordergründig zu einer Verschlampung der Begriffsbildung, wie sie in der Kulturpolitik als “KunstundKultur” überhand genommen hat. Hintergründig aber geht es um die weitgehende Vereinnahmung von Kunst in den statuts quo der herrschenden Verhältnisse, der mit dem “Ende der Geschichte” nicht mehr über sich hinauszuweisen vermag.

Und doch sind wir – wenn wir die Augen aufmachen – längst jenseits des Wahren, Guten und Schönen, gerade in der Kunst. Zu all dem hat Kunst einfach nichts mehr zu sagen, wenn sie denn nicht als Ausdruck gesellschaftlicher Verlogenheit zur Kultur verkommen will.

Angesichts dessen erstellt Burger keine neue ästhetische Theorie. Und beschränkt sich darauf, Kunst von allem kulturellen Beiwerk zu entlasten. Weil sich Kunst nicht beliebig diskursivieren und in moralisch-politische Rede übersetzen lässt, besteht ihre Daseinsberechtigung schlicht darin, den Anspruch zu stellen, Kunst zu sein.

Radikaleres lässt sich über sie nicht (mehr) sagen.

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