Michael Wimmer
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Wimmer’s Comment

Michael Wimmer regularly comments on the latest developments in culture, education and politics in his german commentaries. These are complemented by his own encounters and experiences as a lecturer, author and consultant.

23/02/2026

Wenn sich Kunst über Politik stellt – Ein Missverständnis, mehr: eine Selbstbeschädigung

Auch im österreichischen Parlament wurde immer wieder Kunst debattiert, zumeist in negativer bis ablehnender Weise: Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, die Aktionisten, Kunst im öffentlichen Raum; der Tenor: diese Kunst wäre abstoßend, würde Österreich diffamieren, wäre gar keine Kunst. Und zum Besten der Bevölkerung gleich ganz zu verbieten.

Diese Zuschreibungen wurden aus liberaler Sicht zurecht als politische Übergriffe verhandelt; Politik habe sich aus künstlerischen Qualitätsfragen herauszuhalten; ihre Aufgabe sollte sich darauf beschränken, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen und der Kunst ihre ästhetischen Freiräume zu garantieren.

In diesen Tagen ist eine Kontroverse rund um die Berlinale ausgebrochen, ihrer Leitung wurde vorgeworfen, sich in wichtigen politischen Fragen nicht eindeutig zu positionieren, Wim Wenders ging sogar soweit, Kunst als Gegenentwurf zur Tagespolitik zu verorten und nicht als dessen Verlängerung (
https://www.zeit.de/news/2026-02/15/muss-man-sich-als-filmstar-politisch-aeussern ). Er eröffnete damit eine heftige Kontroverse, die im Grunde darauf hinausläuft, ob Künstlerinnen in ihren Gremien das tun dürfen, was Politikerinnen verwehrt werden soll: Der Politik ihre Zuständigkeit abzusprechen.

Es muss für viele extrovertierte Künstlerinnen frustrierend sein, zur Kenntnis zu nehmen, dass sie nichts dazu legitimiert, sich in irgendwie prioritärer Weise über Politik zu äußern. Ihr Asset besteht ausschließlich in ihrer Prominenz, nicht aber in ihrem politischen Urteil. In dem unterscheiden sie sich in nichts von allen anderen Staatsbürgerinnen und sind – jedenfalls qua ihrer Künstlerinnenschaft – auch nicht legitimiert, sich politisch über andere zu erheben.

Nichts steht dagegen, dass sich Künstlerinnen im Rahmen von Zusammenkünften auch über sie beschäftigende politische Zustände verständigen (genau so wie das Astronominnen, Tiefseetaucherinnen oder Kleingärtnerinnen in ihren Gremien tun mögen). Daraus aber abzuleiten, es als Künstlerinnen besser zu wissen und also legitimierte Politikerinnen belehren zu können, was sie zu tun und zu lassen haben, halte ich für zumindest ein Missverständnis. Es stellt – bei Lichte betrachtet – demokratische Verfahren der Politikgestaltung in Frage. Selbst dann, wenn Künstlerinnen überzeugt sind, entgegen der herrschenden Politik auf der richtigen Seite zu stehen. Schlicht weil sie dafür als soziale Gruppe nicht legitimiert sind.

Ja, Künstlerinnen sind aufgerufen, für ihre politischen Ansichten zu werben. So wie alle anderen Staatsbürgerinnen auch.

Wenn sie aber ihre politischen Einstellungen über ihre künstlerischen zu stellen, dann verraten sie genau das, was die besondere Qualität ihrer Hervorbringungen ausmacht: ihr Eigensinn, der Kunst überhaupt erst zu dem macht, was sie ist: das äusserste Gegenteil von Politik. Auch und gerade wenn sie politische Inhalte verhandelt.

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